Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 4. November 1957 (Heidelberg)


[1]
|
Heidelberg. 4. Nov. 57.
Mein geliebter Freund!
Die Nachricht, daß Du in der geselligen Unruhe der Tage doch den Entschluß zu einem "kleinen Seminar" fassen konntest, war mir sehr wohltuend, und ich will nur hoffen, daß sich nicht eine Überschwemmung für Eure Wohnung damit entfesselt! Und auch eine Dir am Herzen liegende Arbeit ging in Druck – wie schön! Könnte ich doch am Lesen der Korrekturbogen helfen!! Dafür wäre mein Sinn für das optische Bild sicherlich noch geeignet!!
Mein Befinden macht trotz mancher Schwierigkeit dauernd Fortschritte und das Subjektivgefühl auch. Jemand zum Schreiben ist leider nicht gerade zur Verfügung und so kritzle ich es selbst am
[2]
| Bettrand. Von Schmerzen bin ich garnicht viel geplagt, aber mitgenommen hat mich die Sache doch ziemlich. Den Verdacht mit dem Rippenfell hatte ich auch. Aber Frau Dr. Edinger, die mich heut besonders gründlich untersuchte, fand dazu kein Zeichen und bleibt bei einer Spritze (der 6!) und den 3 x tgl. 10 Tropfen Krataegus. Sie kommt immer Mon. u. Don. – also auch am Seminartag! Schade, daß ich diesmal die Mondfinsternis am 7. nicht sehen kann! Aber morgen am 5. Nov. werde ich mit meinen Gedanken u. Wünsche bei der Taufe sein! Wie heißt der Kleine? Es ist doch ein Volksspruch: Speikinder, Gedeihkinder, und meine Schwester, auf deren Leben ein Kollege meines Vaters kein Vertrauen hatte, heilte jetzt mit 69 Jahren ein genageltes Knie!! Also: wir sind nicht umzubringen.
Möge auch bei Euch alles ohne unerwünschte Beschwerde weitergehen, auch mit Frau Tierok.
Ich grüße sehr herzlich die Anwesenden, und danke Dir für 5 liebe Briefe u. die Berliner Karte und lese täglich mit immer neuem Gewinn in dem <re. Rand> Druck der Magie der Seele 1949. mit Bleistift gezeichnet "Wimpfen. 10. Juni"
<Kopf>
In stetem Gedenken
Deine Käthe.

[li. Rand S. 1] Dein letzter Brief war schlecht zugeklebt.