Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 12. November 1957 (Heidelberg)


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<schwer lesbar>
Heidelberg. 12. Nov. 57
Mein geliebter Freund!
Wenn es auch auf Wahrheit beruht, daß ich täglich an der Überwindung der Erkrankung kämpfe, so hat es doch sehr arge Schwierigkeiten und der Armbruch war eine Kleinigkeit dagegen. Der symptomatisch empfundene Fortschritt wird mir immer wieder durch heftige Aufregung durch das Pflegepersonal geschmälert. Nur Frau Christmann ist eine wohltuende und verständnisvolle Hilfe. Auch ruhig und bereitwillig ist Dorothe, die von einem Standort der Inneren Mission bei Stuttgart (Karlsberg?) stammt, ist bei uns für das Praktikum tätig. An diese Lichtpunkte halte ich mich – und hoffe, die übrigen Hindernisse gegen mich durch möglichste Nervenruhe zu überwinden.
Die Ärztin redet von Aufstehen und hat wohl objektiv recht, aber ich bin recht angegriffen und ansteckend sei ich nicht mehr.
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Hedwig kommt alle paar Tage, aber da werden wir oft gestört, und sie ist auch in ihrer Familie zur Hilfe nötig. Hanna Héraucourt hat mir Kekse und Orangen besorgt.
Am Samstag kam von Dir das Päckchen, das irgendwo für mich nicht sichtbar, stehen blieb, und in das ich erst durch gelegentliche Hilfe eindrang. Nun habe ich ein Schnapsgläschen davon mit ebenso viel Wasser verdünnt in einem Glase, und nehme hie und davon etwas in den Mund, was höchst angenehm wirkt. Du weißt ja, wie herzlich ich Dir dafür danke! Es ist Schicksalsfügung, daß diesmal nicht Deine Gegenwart entscheidend für die Verhältnisse bei mir sein konnte! Damals waren Ärzte und Personal sehr davon beeindruckt! Aber ich wäre unglücklich gewesen, wenn Du Dir hier eine Infektion geholt hättest.
Von Ruges habe ich noch nichts gehört, die hatten wahrscheinlich zu Haus viel Arbeit vorgefunden. Mädi schrieb von eignen pädagogischen Sorgen und dem Institut, das Wünsche an Dich hatte! Ich aber denke Dein mit vielen innigen Grüßen und herzlichen Grüßen an alle! Deine Käthe.