Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 15. November 1957 (Heidelberg)


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15. Nov. 16h auf d. Lehnstuhl
Mein geliebter Freund!
Gestern nachmittag war ich mit meinen Gedanken in Tübingen und bin nun recht gespannt, wie für Dich der Semesterbeginn verlaufen ist! Möge sich Deine getreue Pflichterfüllung lohnen! Und mögen die äußeren Umstände für alle bei Euch nicht beschwerlich sein.
Hier ist alles weiter normal. Hedwig brachte mir von Dir die briefliche Kunde und den Auftrag, zu meiner Kräftigung beizutragen, was sie sogleich mit Obst besorgte und sicher morgen fortsetzen wird. – Von Dir kam die schöne Goethekarte, die ich mit Genuß betrachtet habe, den schriftlichen Inhalt gern wieder lesen würde, aber die Karte ist mir hinter die Schutzwand neben meinem Bett gerutscht, ich kann sie erst wieder erreichen, wenn das Bett abgerückt wird. Aber ich erinnere mich, daß von einem gehaltvollen Vortrag von Reinhold Schneider die Rede war. – Heut, gegen die Kaffeestunde wollte die Sonne freundlich auf
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| mein Bett scheinen, aber aufsteigende Nebel ließen es nicht zu.
Mit – einem lieben ärztlichen Besuch Frau Dr. Edinger – ist die Schreibezeit zuende. Also nur noch viel herzliche Grüße.
In treuem Gedenken
Deine
Käthe,
die aber keine solchen Ermahnungen braucht, wie sie Dein letzter Brief brachte. Denn der Gedanke an Dich hilft mir stündlich zur Geduld!