Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 27. November 1957 (Heidelberg)


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Heidelberg. 27.XI.57.
Mein geliebter Freund!
Der Briefumschlag liegt bereit, aber ich weiß nicht, wer etwa zu mir kommen wird, um mir beim Text zu helfen; also will ich allein mein Heil versuchen. Verändert hat sich für mich nichts am Befinden, aber ich merke recht deutlich, daß die Sache mich doch viel Kraft gekostet hat. Ich bin aus Pflichtgefühl wieder am Vormittag aufgestanden und habe viel auf dem grünen Sessel gelegen, nach dem Essen meist im Halbschlaf, oder lesend. Es ist gut, daß die Lektüre jetzt mit Schiller in Bauerbach zu etwas Ruhe gekommen ist. Denn die Zeitung mit ihrer unheimlichen täglichen Nachricht ist mir immer schwer zu ertragen. Wann wird das wieder einen Schein des Friedens geben? –
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Frau Dr. Edinger hat sich für heut nachmittag wieder angesagt, hoffentlich kommt sie. Das ist immer eine wohltätige Ruhe, die sie um sich verbreitet und auch Frau Christmann ist immer von heiterer Gefälligkeit. — Und so suchen auch die Gedanken in der Ferne Licht zu sehen. Mit Beruhigung hörte ich von der Verkürzung der Reisedauer für ich bei dem neuen Zugverkehr. Und dann male ich mir gern aus, daß bei den Teilnehmern des Seminars ein Licht aufwacht, das Dir Freude bereitet.
Soeben kommt Hedwig Mathy und löst Missionar Guter bei mir ab, es ist also keine Zeit mehr zum Briefschreiben.
Laß Dir noch einmal innig danken, für alles, was Du mir sagtest und anregtest und was mich dauernd beschäftigt, nicht immer.  –  –
Ich grüße vielmals – Frau Dr. ist eben da und nimmt den Brief mit.
Deine Käthe.