Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 13. Juni 1958 (Tübingen)


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<Briefkopf: PROFESSOR DR. EDUARD SPRANGER
TÜBINGEN
Rümelinstr. 12>

13.[über der Zeile] 13.6.58.
Meine geliebte Freundin!
Hier kommt der üblich Wochenendgruß. Wir hatten gestern Besuch aus Heidelberg, Herrn Schmeil. Mit ihm habe ich verabredet, daß er einmal, wenn Frl. Mathy dabei sein kann, meine Briefe aus Deinem Sekretär abholt. Seitdem dieser nicht mehr in Deinem Zimmer steht, sind sie nicht mehr sicher genug. Sie bleiben natürlich in Deinem Besitz. Ich nehme sie nur in Verwahrung.
Auch sonst hatten wir viel Besuch: Australier, Japaner, Schweizer und andre Völkerschaften. Ich war vorgestern wieder beim Augenarzt in Eßlingen, der auf beiden Augen Verschlechterung
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| feststellte, – was nur meine eigne Beobachtung bestätigte. Wir müssen eben stillhalten – Du und ich. Ich schreibe noch immer viel; aber es wird mir schwer.
Morgen ist hier Immatrikulationsfeier. Wir wollen hingehen Am 22. Juni habe ich noch einmal in Bad Boll zu reden. Dann werde ich dieses Geschäft wohl ganz einstellen.
Der Sommer scheint leider nicht viel besser zu werden, als der vorige. Vor allem die Dunkelheit – im Juni! – ist bedrückend. Das kommt wohl auch vom Atomzeitalter.
Wir wünschen um so mehr innerlich helle Tage und grüßen Dich herzlich.
Dein täglich an Dich denkender
Eduard