Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 30. Juni 1958 (Tübingen)


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Tübingen, den 30. Juni 58.
Meine geliebte Freundin!
Ich grüße Dich im Sinne unsrer 55jährigen Verbundenheit. Außerdem füge ich den üblichen Bericht bei.
Wir sind nicht in Alpirsbach gewesen. Die Darmstörung, die sich schon oft bemerkbar gemacht hatte, wurde nach der Rückkehr von Bad Boll wieder akut. Ich mußte strenge Diät halten und tue es bis heute.
Von den 12 Besuchern, die trotz unsrer traditionellen Flucht am 27.6. kamen, habe ich keinen sehen können. Susanne hat dem Sturm allein standhalten müssen. Das Wetter
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| war so schlecht, daß wir unter diesem Gesichtspunkt den Fortfall der Reise nicht bedauerten. Nun steht der Tisch voll von Rosen und anderen schönen Blumen, aber auch von annähernd 250 Gratulationen, und der Kampf vom vorigen Jahr beginnt aufs neue.
Am 3. Juli kommt Werner Jaeger mit Frau hierher, um den theologischen Ehrendoktor entgegenzunehmen. Am nächsten Morgen müssen wir nach Bonn, wenn ich die Reise schon riskieren kann. Es ist ganz gut, denn in dieser Jahreszeit sind die Durchreisenden allzu zahlreich.
Mit Deinem Balkonaufenthalt hat es in den letzten Tagen
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| wohl wieder schlecht ausgesehen. Wir wollen hoffen, daß die alte Siebenschläfer-Wetterregel diesmal nicht zutrifft. Laß es Dir jedenfalls möglichst gut gehen!
Mit vielen Grüßen von Susanne und Ida
Dein getreuer
Eduard