Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 1. September 1958 (Tübingen)


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<Briefkopf: PROFESSOR DR. EDUARD SPRANGER
TÜBINGEN
Rümelinstr. 12>

1. Sept. 58.
Meine geliebte Freundin!
Gestern war das 55jährige Jubiläum unsrer ersten wesentlichen Begegnung und unsres Weges auf den Weißen Stein. Ich habe Dir aus diesem Anlaß Nelken geschickt. Herbstzeitlosen sind auch schon da; aber ich konnte sie nicht sammeln. Obwohl ich von Dir nichts gehört habe, nehme ich doch an, daß bei der Betrachtung des Heiligenberges etwas leise durch Dein Gemüt gezogen ist. Zeitlos zu existieren ist vielleicht die beste Art des Daseins. –  –
Die lange Reihe unsrer Besucher ist heute fürs erste geschlossen worden durch Besuch
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| aus Berlin. Die beiden letzten, die wir bei uns begrüßt haben, kamen aus ihrem Ferienaufenthalt in Freudenstadt. Dort sieht es aber jetzt ganz anders aus als 1904, oder als 1916, wo Du und ich zuletzt zusammen dort waren.
Ich habe heute eine größere Arbeit abgeschlossen. Eigentlich arbeite ich nur noch von 8–11, dann aber sehr intensiv.
Bähr fährt morgen mit Frau und Söhnchen nach Oberstdorf. Das sind wir beide auch einmal gewesen, bei ähnlicher Hitze wie in diesem Jahr.
Wir grüßen Dich und die Schwestern herzlich. Hoffentlich kommt auf Deinen Balkon manchmal ein kühles Lüftchen.
Innigst
Dein Eduard