Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, Januar 1958 (Heidelberg)


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<dieser Brief kann nicht vor dem 20. Jan. geschrieben sein, da die unten erwähnte Karte aus Reutl. am 17.1. und der Brief am 19.1. geschrieben wurden>
Heidelberg. Zeppelinstr. 9.
Mein geliebter Freund!
Es ist zwar von mir nichts Neues zu berichten. Aber ich möchte doch gern mal wieder einen direkten Gruß senden. Die meiste Nachricht gibt Dir wohl Hanne Héraucourt, die mich am treuesten besucht. Vermutlich setze ich täglich ein wenig Erholung an, aber ich selbst merke davon nicht viel und fühle mich in meiner Zimmereinsamkeit recht aus der Welt gerückt. Aber mit Freude bekam ich die Nachricht, daß Ihr beide wohl seid, und ich hoffe, Du hast Befriedigung in dem Kreis Deiner Arbeit, und es hat sich für Dich belebt und gelohnt. Davon hatte ich bisher noch keine Mitteilung, aber Grüße aus Reutlingen und lieben Brief,
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| und bin glücklich im steten liebevollen Gedenken an Dich.
Auch von Frl. Dr. Clauß kam ein Brief, die von guter Erholung schreibt. Sie ist ja auch sehr viel jünger als ich und hat noch mehr Reservekraft. Sie schreibt von meiner Ärztin, Frau Dr. Edinger-Hodapp offenbar anerkennend. Sie hat ihr geholfen, ins Krankenhaus aufgenommen zu werden, was für mich in dieser Zeit der Überfüllung nicht zu gelingen scheint. Die ganze Welt ist, wie mir scheint überlastet und unsicher – – unter Witterungs und politischem Druck. Ich habe auch garkeine Initiative mehr. – Darum verzeih die schlechte Schrift, sie ist ein Versuch guten Willens. Wenn man darüber reden könnte, wäre es besser. So also in Erinnerung an Tage wo das leichter war viel herzliche Grüße an alle bei Dir, besonders Susanne und Ida. In steter Liebe Deine Käthe.