Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 24. Januar 1960 (Tübingen, Postkarte)


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<Stempel: Prof. Spranger
(14b) TÜBINGEN
Rümelinstrasse 12>
24.I.60.
M. L!  Gestern waren 8 Personen, groß und klein, hier im Hause voller Tränen, weil uns der Hund unsres Hausherrn, ein entzückend schöner Setter, verließ. Es war für ihn hier nicht der rechte Aufenthalt. Seine Hundetugenden waren nicht groß, aber seine Herzenstugenden. Er wedelte jeden an, lief mit jedem mit und ließ sich
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| von jedem verwöhnen. Er bellte nie jemanden an, sondern machte von dieser Sprache nur Gebrauch, wenn er einen Hund vorbeilaufen sah. Gestern ist er nun umgesiedelt, und zwar – in das Sanatorium Freudenstadt zu dessen Leiter Prof. Kohlrausch.
Das wechselnde Wetter ist nicht gerade gesund. Soeben haben wir 12°R in der Sonne. Nachts friert es dann wieder.
Ende der Woche erwarten wir mehrtägigen Besuch von Frl. Dr. Silber, und unmittelbar danach kommt der mit besonderer Sehnsucht erwartete Litt. Wir waren mal wieder in Bad Niedernau; da lag noch Schnee.
Viele herzliche Wünsche für Dein Befinden und Grüße an Dich wie Deine gütigen Betreuerinnen.
Deine Eduard.  Susanne.  Ida.