Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 31. Mai 1960 (Tübingen)


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<Briefkopf: PROFESSOR DR. EDUARD SPRANGER
TÜBINGEN
Rümelinstr. 12>

31.V.60
Meine geliebte Freundin!
Heute Vormittag habe ich eine große Rede in unsrem Festsaal gehalten: zum Gedächtnis der Gründung der Universität Berlin vor 150 Jahren. Das wird nun wohl das letzte Mal gewesen sein, daß ich dieses Podium besteige. Die Aufregung vorher hat mich ganz krank gemacht. Denn wer weiß, ob man zur gegebenen Zeit gesund ist, ob man seinen Text noch lesen kann, ob die Stimme noch ausreicht? Es ist aber alles über Erwarten gut gegangen Der Zudrang war ungeheuer. In der Aula selbst waren mindestens 1400, es wurde in 2 weitere Auditorien über
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|tragen, dei 500 und 300 Sitzplätze haben, und auch diese waren noch überfüllt Prinz Louis Ferdinand und Prinzessin Kira waren auf ihren Wunsch auch eingeladen, sind aber aus bisher unbekannten Gründen nicht gekommen. Begrüßung und Schlußbeifall waren enorm und rührend.
Der Redner aber muß sehen, wie er seine Knochen wieder in Ordnung bringt. Nun werden wir Dich auch bald besuchen, noch in der ersten Junihälfte. Natürlich mit Voranmeldung Gerade heute früh kam ein lieber Brief von Frl. Héraucourt. Ich habe daraus mit Bedauern entnommen, daß Du und Deine verehrte Zimmergenossin erkältet waren. Aber es soll besser sein. Nun mußt Du auch abends wieder etwas essen, mir zuliebe. Bitte sage Frl. Héraucourt, <re. Rand> daß ich ihr herzlichst dankbar bin und gutes Befinden wünsche. Schreiben kann ich erst wenig später. Denn ich bin ziemlich <Kopf> kaputt. Allerseits grüßen herzlich Deine
<li. Rand>
Eduard, Susanne, Ida.