pictura paedagogica online Pädagogisches Wissen in Bildern

Neue Perspektiven
in der visuellen Bildungsgeschichte

2. Workshop der Reihe "Pictura Paedagogica Online: Pädagogisches Wissen in Bildern"

Leitung und Organisation: Dr. Stefanie Kollmann und Prof. Dr. Sabine Reh
Veranstaltungsort: Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung des DIPF, Warschauer Str. 34-36, 10243 Berlin
Datum: 24. bis 25. November 2016

Der zweite Workshop der Reihe Pictura Paedagogica Online - Pädagogisches Wissen in Bildern stellt Technik und Methoden in den Mittelpunkt. Mit Neue Perspektiven der visuellen Bildungsgeschichte sollen jüngste Entwicklungen im Bereich Digital Humanities und ihre Auswirkungen auf die wissenschaftliche Praxis diskutiert werden. Der Workshop möchte dabei den Austausch zwischen Gedächtnisinstitutionen sowie Forschenden ermöglichen. Im Zuge der Veranstaltung werden die Weiterentwicklungen von Pictura Paedagogica Online zur Forschungsumgebung thematisiert. Als ein erster Meilenstein auf diesem Weg wird "Interlinking Pictura" vorgestellt, ein Modellprojekt zur Annotation und semantischer Auswertung von Bildquellen.

Die Teilnahme ist kostenfrei. Wir bitten um Anmeldung bis zum 18.11.2016.

Kontakt:
Stefanie Kollmann | Mail: kollmann@dipf.de | Telefon: +49 (0) 30.293360-37

Programm als PDF-Dokument


Programm

24. November 2016

ab 12:00 Anmeldung
12:30 Sabine Reh Begrüßung
13:00 Margarete Pratschke Wie Erwin Panofsky die Digital Humanities erfand
13:45 Elke Bauer Das historische Bildarchiv im digitalen Zeitalter.

15:00 Lisa Dieckmann Digitale Bildwissenschaft.
15:45 Christoph Schindler Interlinking Pictura

Im Anschluss Führung durch die Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung
19:00 Abendveranstaltung Gemeinsames Abendessen (Selbstzahlung)



25. November 2016

10:00 Robert Casties Bildannotationen und digilib.
11:00 Harald Klinke Das digitale Bild.

13:30 Matthias Röschner Kooperative Erschließung, Digitalisierung und Präsentation.
Die Gemeinschaftsprojekte DigiPEER und DigiPortA
14:30 Ksenia Stanicka-Brzezicka Kunstdenkmäler bebildern.
Internationale Verbundsysteme und ihre Herausforderungen: Datenmodell, Multilingualität, Normdaten und Thesauri.
Ein Bericht zum Projekt "Forschungsinfrastruktur Kunstdenkmäler in Ostmitteleuropa (FoKO)".

Abschlußdiskussion


















Abstracts


Elke Bauer
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"Das historische Bildarchiv im digitalen Zeitalter"

Bildarchive/-sammlungen stehen bei ihrer Erschließungsarbeit derzeit vor zwei großen Herausforderungen: Zum einen fordert der sich wandelnde Umgang mit bildhaften Quellen innerhalb der Geschichts- und Kulturwissenschaften (Stichworte Iconic Turn, Visual History, Material Turn) eine zunehmende Kontextualisierung der Bilder ein, zum anderen wird eine möglichst schnelle Onlinebereitstellung großer Bildmengen angestrebt, die im Normalfall zunächst mit einer Dekontextualisierung der Bilder einhergeht.

Der Vortrag möchte dieses Spannungsfeld beleuchten und über mögliche Auswege nachdenken: Wie müsste bzw. könnte die Erschließungsarbeit der Bildarchive in Zukunft aussehen, wenn der "Besuch" eines Online-Bildkatalogs zunehmend den Gang ins "analoge" Archiv ersetzt und wie sieht die Erschließung für die Onlinebereitstellung heute zumeist aus? Inwieweit können Onlinekataloge die Verluste eines "analogen" Archivbesuchs mit Beratung, Bereitstellung von Kontextmaterialien, und der haptischen Erfahrbarkeit der Bilder überhaupt kompensieren? Wollen sie das überhaupt? Durch die Präsentation von Beständen im Internet können Bilder schnell und weltweit recherchiert werden, gleichzeitig besteht jedoch die Gefahr, dass noch nicht digitalisierte Materialien in den Archiven zunehmend aus dem Blickfeld geraten.


Dr. Elke Bauer
Herder Institut für historische Ostmitteleuropaforschung
https://www.herder-institut.de/institut-personal/personal/personen/person/bauer.html

Elke Bauer, studierte Vergleichende Religionswissenschaft, Ethnologie und Keltologie in Marburg und wurde im Rahmen des Aufbaustudiengangs "Editionswissenschaft" an der Universität Osnabrück mit einer historisch-kritischen Ausgabe von Lessings "Emilia Galotti" promoviert. Seit 2001 ist sie Mitarbeiterin am Herder-Institut für historische Ostmitteleuropaforschung in Marburg, zunächst im Bildarchiv und seit Mai 2015 in der Abteilung Digitale Geschichte und IT. Im Rahmen des durch die Leibniz-Gemeinschaft geförderten Verbundprojekts "Visual History. Institutionen und Medien des Bildgedächtnisses" hat sie sich 2012-2015 mit dem Übergang analoger Bildarchive ins digitale Zeitalter auseinandergesetzt.

Robert Casties
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Dr. Robert Casties
Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte
https://www.mpiwg-berlin.mpg.de/de/users/casties



Lisa Dieckmann
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Digitale Kunstgeschichte –
Forschungsfelder, Herausforderungen und Perspektiven

Die Geschichte der Kunstgeschichte steht in engem Zusammenhang mit der Geschichte der Reproduktion ihrer Forschungsgegenstände. In der Frühen Neuzeit wurden diese mithilfe von Druckgrafiken verbreitet. Die Erfindung der Fotografie brachte der kunstgeschichtlichen Forschung durch die Möglichkeit der schnelleren Vervielfältigung und leichteren Zugänglichkeit einen erheblichen Gewinn. Doch erst die Überführung der Bilder ins Digitale ermöglicht ihre vom realen Ort unabhängige Virtualisierung im Internet und die Anwendung computergestützter Verfahren sowohl zur quantitativen als auch zur qualitativen Analyse. Dies stellt die bildbasierten Disziplinen immer wieder vor neue Herausforderungen, eröffnet gleichzeitig aber auch neue Perspektiven.
Für die Anwendung digitaler Technologien und Verfahren in der kunstgeschichtlichen Forschung und Lehre hat sich mittlerweile der Begriff „Digitale Kunstgeschichte“ etabliert. Der Vortrag will einen Überblick geben über ihre Arbeits- und Forschungsfelder, die von Daten- und Wissensmanagement und Vernetzung, automatisierter Bildanalyse und Bild- Annotation, Crowd sourcing, Gamification, Visualisierung und Rekonstruktion bis hin zur Rezeptionsforschung reichen. Der Vortrag stellt Projekte und Entwicklungen innerhalb dieser Bereiche vor und zeigt die Herausforderungen und Perspektiven computergestützter Forschung und Lehre in der Kunstgeschichte auf.

Dr. Lisa Dieckmann
prometheus
http://khi.phil-fak.uni-koeln.de/24128.html



Harald Klinke
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Das digitale Bild

Die Geschichte der Kunst ist auch eine Geschichte ihrer Bildmedien. Darin stellte die Erfindung der Fotografie eine Revolution dar. Aber auch die Verbreitung des digitalen Bildes in der Gegenwart verändert die Produktion, Distribution und Rezeption des Bildes aufs Neue. Dabei stellen sich die Fragen: Wie ändert das neue Medium die Inhalte? Wie können digitale Bilder Träger von Wissen sein? Was ist eine Epistemologie des digitalen Bildes? Dies hat Folgen für die Kunst, die Kunstwissenschaft, für die visuelle Kommunikation, aber auch für die Pädagogik.

Dr. Harald Klinke
Ludwig Maximilians Universität München
http://www.kunstgeschichte.uni-muenchen.de/personen/wiss_ma/klinke/index.html



Margarete Pratschke
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Wie Erwin Panofsky die Digital Humanities erfand

Der Vortrag stellt eine in Vergessenheit geratene historische Episode aus der Geschichte der digitalen Kunstgeschichte vor, die in der Debatte um die Digital Humanities bislang kaum diskutiert wurde. Sie handelt von der überaus aktiven Rolle, die IBM bei der Digitalisierung der Geisteswissenschaften und insbesondere der Kunstgeschichte gespielt hat. Denn es war ausgerechnet ein Panofsky-Schüler, der das Feld der Humanities für IBM bestellte. Als Kunsthistoriker nahm er maßgeblich Einfluss auf die Entstehung der sogenannten Digital Humanities und insbesondere auf die Formierung der Digitalisierung der Kunstgeschichte, die sich früh in zahlreichen Projekten und Konferenzen niederschlug.
Ausgehend von der IBM-Panofsky-Episode stellt der Vortrag die Frage nach den ökonomisch-politischen Bedingungen des historischen Digitalisierungsprozesses der Kunstgeschichte und diskutiert die Konsequenzen, die sich hieraus für die Art der Digitalisierung von Gegenständen und Methoden ergaben. Hierfür sollen insbesondere die institutionellen Rahmenbedingungen in den Blick genommen werden, die sich durch Förderinstitutionen (z.B. Getty) ebenso wie Industrieakteure (z.B. IBM) ergaben und die zu bestimmten sich historisch wandelnden Digitalitätskonzepten und -strategien führten.
Auf einer methodisch-theoretischen Ebene ist es Ziel des Vortrags, anhand ausgesuchter historischer Beispiele zu zeigen, wie die digitale Kunstgeschichte seit den 1960er Jahren in eine bestimmte, umfassende analoge Methodengeschichte eingebettet war - und auf welche Weise sich digitale Methoden stets am analogen Methodenkatalog des Fachs messen mussten. Damit geht als weiteres Vortragsziel einher, eine andere Geschichte des Iconic Turn zu erzählen, in der Digitalität in ihrer Historizität ins Zentrum rückt. Auf diese Weise sollen die Rede von der ‚Bilderflut' und die damit verbundenen Theorien digitaler Bilder ebenso hinterfragt wie das Innovationsversprechen digitaler Kunstgeschichte und ihrer Methoden diskutiert werden.


Auswahlbibliografie:
"Warum nicht gleich das Fernsehen? 1984 in der Kunstgeschichte" in: Wissen, ca. 1980. Nach Feierabend. Zürcher Jahrbuch für Wissensgeschichte 12, hg. v. Nils Güttler, Margarete Pratschke, Max Stadler, Zürich 2016, S. 197-217.
"Wie Erwin Panfosky die digital humanities erfand. Für eine Geschichte und Kritik digitaler Kunst- und Bildgeschichte", in: Kunst und Industrie, kritische berichte, Heft 3, 2016 (in Druck).

Margarete Pratschke
ETH Zürich
https://www.wiss.ethz.ch/de/person.html?tx_jhpublications_pi1%5BempID%5D=35&cHash=3eb0a2bd9b53622bfbb0869d19f001f2



Matthias Röschner
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Kooperative Erschließung, Digitalisierung und Präsentation.
Die Gemeinschaftsprojekte DigiPEER und DigiPortA

Die von der Leibniz-Gemeinschaft geförderten Projekte DigiPEER und DigiPortA unter der Federführung des Archivs des Deutschen Museums standen im Zeichen der kooperativen Erschließung, Digitalisierung und Präsentation von archivischen Sammlungsbeständen. Das Projekt DigiPEER (Digitalisierung großformatiger Pläne und technischer Zeichnungen zur Erfassung und Erschließung des Raums im 20. Jahrhundert) wurde von vier Archiveinrichtungen der Leibniz-Gemeinschaft in den Jahren 2010 bis 2012 durchgeführt. Grundlegendes Ziel des Projekts war es, am Beispiel der Quellengattung "Pläne und technische Zeichnungen" die Potenziale eines institutionenübergreifenden Digitalisierungsprojekts exemplarisch zu demonstrieren. Anknüpfungspunkte für die Forschung ergaben sich vor allem zu den Ansätzen in der Technikhistoriografie, die sich mit der Visualisierung technischen Wissens im Bereich der raumhistorischen Forschung befassen (www.digipeer.de).
Das Projekt DigiPortA (Digitalisierung und Erschließung von Porträtbeständen in Archiven der Leibniz-Gemeinschaft; Laufzeit 2012-2015) vereint die Porträtbestände aus neun Archiven mit insgesamt rund 33.000 Druckgrafiken, Zeichnungen, Fotografien und Gemälden. Die Blätter wurden digitalisiert, wissenschaftlich erschlossen und in einem gemeinsamen Portal online gestellt (www.digiporta.net). Das Projekt zielte auch darauf ab, die Quellenlage zur Gattung des Porträts zu verbessern und den bildwissenschaftlichen Diskurs anzuregen. Zentrale Ansätze des Projekts waren die Kontextualisierung der Porträts und der Nachweis ihrer Provenienz.
Der Vortrag stellt die beiden Projekte vor, die im GWK-Bericht des Jahres 2013 als Best Practice-Beispiele hervorgehoben wurden, und geht dabei auch ganz konkret auf die im Rahmen der Projekte entwickelten Verfahren der Digitalisierung großformatiger Vorlagen sowie auf die Erschließung und Normierung archivischer Sammlungsbestände ein.

Dr. Matthias Röschner
Matthias Röschner ist Historiker und stellvertretender Leiter des Archivs des Deutschen Museums (seit 2009). Nach Geschichts- und Lateinstudium und der Promotion in Mainz absolvierte er das Archivreferendariat im Landesarchiv Baden-Württemberg und an der Archivschule Marburg / Institut für Archivwissenschaft (2002-2004), danach war er Referent im Staatsarchiv Ludwigsburg (2004-2009). Im Archiv des Deutschen Museums ist er zuständig u.a. für die Benutzerbetreuung, Bestandserhaltung und Digitalisierungsmaßnahmen. Er betreut verschiedener Bestände, so die technischen Zeichnungen und die papierhistorischen Sammlungen. Er leitete zudem das Drittmittelprojekt DigiPEER zur Digitalisierung technischer Zeichnungen und großformatiger Pläne. Derzeit bereitet er (mit zwei Koautoren) eine Publikation zu den Dioramen im Deutschen Museum vor, die im Januar 2017 erscheinen wird. Deutsches Museum
http://www.deutsches-museum.de/forschung/wissenschaftl-mitarbeiter/dr-matthias-roeschner/



Christoph Schindler
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Dr. Christoph Schindler
Deutsches Institut für Internationale Pädagogische Forschung
http://www.dipf.de/de/ueber-uns/personen/schindler-christoph



Ksenia Stanicka-Brzezicka
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Kunstdenkmäler bebildern. Internationale Verbundsysteme und ihre Herausforderungen: Datenmodell, Multilingualität, Normdaten und Thesauri. Ein Bericht zum Projekt "Forschungsinfrastruktur Kunstdenkmäler in Ostmitteleuropa (FoKO)"

FoKO ist ein internationales Verbundprojekt, das den Aufbau einer interaktiven kunsthistorischen Forschungsinfrastruktur zum Ziel hat, mit welcher Methoden, Konzepte und Produkte der digitalen Kunstgeschichte angewendet und erprobt werden sollen. In den Fokus gerückt werden dabei die bislang noch unzureichend gewürdigten spezifischen Leistungen der Kunstproduktion im östlichen Mitteleuropa, einer Region von komplexer historischer Dynamik. Mit der transnationalen Zusammenführung von Dokumentationsdaten und Bildbeständen soll der internationalen Forschung ein Wissensportal zur Verfügung gestellt werden, in dem die vielfältigen Verflechtungen der Kunstentwicklung in Ostmitteleuropa im Zeitraum von 1000 bis 1800 ebenso deutlich werden, wie die konkurrierenden wissensgeschichtlichen Bezugnahmen. Die Forschungsinfrastruktur versteht sich als Basis, um Kunstdenkmäler mit ihren Funktionen sowie künstlerische Gattungen und Phänomene adäquat analysieren und sinnvoll im europäischen Gesamtzusammenhang verstehen zu können. Ermöglicht wird damit der vergleichende Blick etwa auf Aspekte der Stil- und Tradierungsgeschichte, des Kulturtransfers, der Auftraggeberschaft sowie der Netzwerkbildung von Künstlern und Baumeistern.

Das Vorhaben ist inhaltlich eng an das am Geisteswissenschaftlichen Zentrum Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas an der Universität Leipzig angesiedelte Publikationsprojekt "Handbuch zur Geschichte der Kunst in Ostmitteleuropa" angelehnt. Für Bebilderung des Handbuches wird in Rahmen des FoKO-Projektes ein neues, standardisiertes Bildmaterial über Fotokampagnen generiert. Zudem basiert FoKO auf den Bildmaterialien der Sammlungen der Partnerinstitutionen in Deutschland: des Herder-Instituts für historische Ostmitteleuropaforschung - Institut der Leibniz-Gemeinschaft (Gesamtkoordination des Projektes), des Deutschen Dokumentationszentrum für Kunstgeschichte - Bildarchiv Foto Marburg, sowie der Auslandspartner: die kunsthistorischen Institute der polnischen, slowakischen und ungarischen Akademien der Wissenschaften.

Das Projekt greift mehrere Herausforderungen auf, die heutzutage vor den Dokumentationsinstitutionen wie Bildarchiven stehen: auf internationalem Forschungsstand beruhende Dokumentation von herausragenden Kunstdenkmälern, hochwertige Digitalisierung von historischen Bildmaterialien und Erzeugung aktueller Fotografien des Kulturerbes sowie Bereitstellung valider Daten im Internet in einem zeitgemäßen, nutzerorientierten Angebot für Wissenschaft und Öffentlichkeit. Dieses ambitionierte Vorhaben steht auch in Zusammenhang mit der transnationalen Vernetzung von Institutionen und der Kooperation bei der Erstellung von "traditionellen" wie auch digitalen Erzeugnissen nach internationalen Standards und nicht zuletzt mit dem sich wandelnden Umgang mit Bildquellen in der Geschichts- und Kulturwissenschaft.

In der ersten Projektphase galt es die Methoden der Umsetzung der Ziele zu klären, darunter insbesondere die Auswahl einer zukunftsweisenden systemtechnischen Lösung für die Forschungsinfrastruktur. Mit Blick auf die rasante Entwicklung der Digital Humanities und der gestiegenen Bedeutung von semantischen Technologien fiel die Entscheidung auf das an der Universität Erlangen-Nürnberg im Austausch mit dem Germanischen Nationalmuseum Nürnberg entwickelte WissKI-System ("Wissenschaftliche Kommunikations-Infrastruktur"). Damit ist auch die Anwendung des CIDOC Conceptual Reference Model als Ontologie zum Aufbau der Datenstruktur verbunden. Ein wichtiger Aspekt bei der Entwicklung der Datenbankstruktur ist die Integration der Daten aus verschiedenen Einrichtungen, die ihre eigene langjährig erprobte Dokumentationspraxis haben. Dies wird möglich durch den Einsatz des ISO Dokumentationsstandards CIDOC CRM. Die Auswahl dieser Ontologie wie auch der Software bewirkt zusätzlich, dass sich vielversprechende Perspektiven der Zusammenarbeit mit anderen Projekten im Herder-Institut ("Virtuelle Rekonstruktionen in transnationalen Forschungsumgebungen - Das Portal: Schlösser und Parkanlagen im ehemaligen Ostpreußen") und bei Partnern ("Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland", Bildarchiv Foto Marburg mit dem Institut für Kunstgeschichte der Ludwig-Maximilians-Universität München) abzeichnen, da diese die gleiche Art von methodologischen wie auch technologischen Lösungen nutzen. In dieser Vernetzung werden auch weitere Ideen entwickelt, wie etwa eine multilinguale Thesaurus-Aggregation.

Ein wichtiges und aktuelles Thema im Projekt ist ebenfalls die Auslegung von Urheber- und Nutzungsrechten der genutzten und erzeugten Bildmaterialien, der Derivate, digitalen Inhalte und Metadaten, und zwar zwischen den Partnern wie auch im Hinblick auf die Onlinestellung für die allgemeine Nutzung und geplanter Transfer der Bilder und der Metadaten in die Europeana und die Deutsche Digitale Bibliothek am Ende der Projektlaufzeit 2017.

Dr. Ksenia Stanicka-Brzezicka
Herder Institut für historische Ostmitteleuropaforschung
https://www.herder-institut.de/institut-personal/personal/personen/person/stanicka-brzezicka.html